Schiff Ahoi – Ferien auf dem Boot in Irland

Shannon und Erne

Inmitten der wilden Landschaften und den oft übersehenen Weiten Irlands offenbart sich eine einzigartige Perspektive auf die grüne Insel, begleitet von Abenteuern auf dem Shannon und dem Erne. Abseits der gewohnten Familientouren präsentiert sich ein authentischer Einblick in das Herz Irlands, gewürzt mit irischer Gastfreundschaft und unvergesslichen Momenten abseits des Massentourismus.

Rauhe Landschaften, die unscheinbare Weite aber auch das Wetter – welches manch einer als schlecht bezeichnen würde – haben es mir angetan. Zuoberst auf dieser Liste steht bei mir die grüne Insel. Normalerweise bereise ich Irland jährlich mit der Familie. Da aber meine Frau gewisse Ansprüche an den Komfort der Unterkunft stellt und die Kinder ja auch noch einer Schulpflicht unterstehen, hat es sich schon des Öfteren ergeben, dass ich mich mit Gleichgesinnten (Anm.: Freunde von mir, ausschliesslich Männer mit Einverständnis ihrer Partner) nach Irland aufmachen.

Uns allen haben es die irischen Binnengewässer mit den natürlichen Flussläufen des Shannon und des Erne angetan. Der Shannon ist mit 368 km der längste Fluss Irlands. Kanäle, 16 Seen und lediglich 8 Schleusen gestalten den Tagesablauf abwechslungsreich. Der Loung Erne, zum grössten Teil in Nordirland gelegen, besteht aus 2 grossen Seen und 154 Inseln und hat keine Schleusen.

Reisen für Männer

Es ist frühmorgens im Juni, als sich die acht gutgelaunten Männer auf den Weg an den Flughafen Zürich machen. Die meisten freuen sich darauf, einfach mal eine Woche in gemütlicher Runde zu verbringen, ohne sich anhören zu müssen, ob sie dies und das erledigt haben. Die Phrase «Ja, Schatz» gehört definitiv nicht ins Reisegepäck. Es ist auffallend, wie heiss es schon ist, das Thermometer hat die 30° Grenze bereits überschritten. Die Hitzewelle hat die Schweiz im Griff und trotzdem haben wir alle die langen Hosen an und die Regenjacke im Handgepäck. Bis auf unseren lieben Tom, welcher in den Shorts dasteht und uns mitleidig belächelt.

Angenehm kühles Wetter

Nach zweistündigem Flug, Ankunft in Dublin. Es ist nieselnd bei 13° und das sonst so intensiv leuchtende Grün der Insel ist in einen grauen Schleier gehüllt. Mir kommt unweigerlich eine Textpassage von Heinrich Böll aus seinem «Irischen Tagebuch» in den Sinn. «Der Regen ist hier absolut, grossartig und erschreckend. Diesen Regen schlechtes Wetter zu nennen, ist so unangemessen, wie es unangemessen ist, den brennenden Sonnenschein schönes Wetter zu nennen.» Wir warten vor dem Flughafengebäude auf den Minibus, welcher uns in ca. zwei Stunden an die Ufer des Shannon bringen soll. Als dieser endlich eintrifft, stürmt Tom als erster rein und kauert sich wärmesuchend in eine Ecke. Der Busfahrer erkennt die Situation sofort, dreht sich zu unserem Freund um und meint nur. «Don’t worry mate, the rain is getting warmer». (Keine Sorge mein Freund, der Regen wird wärmer.) Ach wie liebe ich den irischen Humor, die Ferien können beginnen!

Hausbootferien auf der Silver Breeze

Wir treffen am Hafen des kleinen Örtchens Banagher ein und beziehen unser Hausboot, die 16 m lange und 4.10 m breite «Silver Breeze». Ein elegantes Boot mit 10 Betten und einer sehr guten Infrastruktur. Die sonst so langwierige Einführung durch die Bootsbesitzer können wir uns ersparen, da wir ja schon erfahrene «Hausbötler» sind. Auch bei der Arbeitsaufteilung gibt es im Männertrupp keine Probleme. Wir haben den Kapitän, den Smutje, die Matrosen, den Logistikverantwortlichen und unseren Tom für die Situationskomik. Die Einkäufer sind zurück mit genügend Guinness, Whiskey und Pasta. Wir sind bereit – Leinen los für eine Woche Ruhe, Erholung und guten Gesprächen unter Freunden.

Natur pur in Irland

Was mich persönlich an Hausbootferien in Irland immer wieder fasziniert, ist die Vielfalt der Wasserläufe. Die Flussläufe sind weitgehend naturbelassen und selten kanalisiert. So hat man Natur pur. Und da man mit lediglich 8 km/h fährt hat man auch genügend Zeit die grandiose und abwechslungsreiche Landschaft zu geniessen, den Kühen und Schafen zuzuschauen, welche an den Ufern grasen oder die Angelrute auszuwerfen, in der Hoffnung das ein kapitaler Hecht anbeisst. Oder man nimmt den Feldstecher in die Hand und hält Ausschau nach den zahlreichen Vögeln, in der Hoffnung eine unentdeckte Finkenart zu erspähen.

Irish Whiskey

Mit der Zeit ertappe ich mich aber auch, mit einem Glas Whiskey in der Hand auf dem Sonnendeck des Hausbootes sitzend, wie ich beginne die verschiedenen Grüntöne zu zählen. Die Iren nennen es liebevoll «40 shades of green» (40 verschiedene Grüntöne), in Anlehnung an einen bekannten Bestseller. Spätestens in diesem Moment erkenne ich was Erholung bedeutet.

Aktivitäten während Hausbootferien

Unterwegs kann man aber auch immer wieder bei Dörfern, Städten oder Sehenswürdigkeiten anlegen oder sich bei einem Golfspiel auf einem der zahlreichen Golfplätze versuchen. Am Abend steuert man eine grössere Ortschaft an, wo man den Tag in einem der Pubs mit Live Musik ausklingen lassen kann. Das schöne bei Hausbootferien in Irland ist, es ist kein Massentourismus und um ein Boot zu steuern, braucht man weder Vorkenntnisse noch einen Bootsführerschein. Man wird vor Ort durch die Besitzer in die Handhabung eingeführt

Eine Erkenntnis meiner vielen Reisen ist aber nicht nur, dass das Entdecken neuer Länder und Region interessant ist, sondern vor allem die Gesellschaft in der man reist, eine Reise unvergesslich macht.

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